Den Ahnen auf der Spur

Braunschweiger Zeitung vom 27.10.2016:  Den Ahnen auf der Spur

Immer mehr Menschen in der Region interessieren sich für die Wurzeln ihrer Familien.

Von Kilian Osterloh

Uwe Kampfer erforscht seit 30 Jahren die Geschichte seiner Familie. „Ich bin schon bis in das Jahr 1633 gekommen“, sagt Kampfer. Er ist Vorsitzender des Vereins „Arbeitsgemeinschaft Genealogie Braunschweig“. Anja Wittweg, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, ist in ihren 16 Jahren Forschung bis in das Jahr 1790 gekommen.

Familienforschung ist schon seit einigen Jahren ein Trend in Deutschland. Immer mehr Menschen begeben sich auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie. „Wir merken das vor allem daran, dass immer mehr Menschen zu den deutschlandweiten Genealogie-Kongressen kommen“, sagt Wittweg. Sie sind den Generationen auf der Spur.

„Die Suche nimmt kein Ende, man kommt vom Hundertsten ins Tausendste“, sagt Kampfer. Familienforschung ist mehr, als nur Namen zu sammeln. Es geht darum, wie die Vorfahren gelebt haben und was sie gemacht haben. Was war ihr Beruf? Haben sie eine Auszeichnung bekommen, ein Haus gebaut oder sind im Gefängnis gelandet? Wo haben sie unter welchen Umständen gelebt? Auch das sind Fragen der Familienforschung.

„Ich habe kürzlich ein Buch über das Dorfleben im 16. Jahrhundert gekauft“, erzählt Kampfer. Dort habe er vieles über die Lebensumstände seiner Ahnen zu der Zeit erfahren. Die Erstellung des Stammbaums ist nur ein kleiner Teil der Arbeit.

Warum investiert man so viel Zeit in die Familienforschung? „Jeder hat andere Gründe“, sagt Anja Wittweg. Ihre Familie kommt aus Pommern und ist vor dem Krieg geflohen. Sie treibt die Frage der Herkunft ihrer Familie an. „Die Forschung beschränkt sich ja auch nicht nur auf eine Familie, mit jeder Ehe kommt noch eine weitere Familie dazu“, sagt sie. Je weiter man in die Vergangenheit forscht, desto breiter wird der Stammbaum.

Der Verein Arbeitsgemeinschaft Genealogie besteht aus Hobbyforschern. Sie treffen sich immer am ersten Mittwoch im Monat. Dann tauschen sie sich über ihre Forschung aus und geben sich gegenseitig Tipps für die Suche. Außerdem präsentieren sie dort ihre Ergebnisse, hören Vorträge oder arbeiten in Gruppen an Fragen der Genealogie. Die Treffen sind immer öffentlich, Interessierte können auch unverbindlich daran teilnehmen. Der Verein bezieht sich räumlich auf das alte Land Braunschweig. „Die Stadt Braunschweig hat man relativ schnell abgegrast, außerdem kommen viele Familien ursprünglich aus dem Umland“, sagt Kampfer.

Wo fängt man am besten an zu suchen? „Der erste Schritt ist, alle noch lebenden Verwandten zu fragen“, rät Uwe Kampfer. Dabei sollte man alles genau dokumentieren und immer die Quellen aufschreiben. Vor allem durch das Internet seien viele falsche Informationen im Umlauf, da sei es wichtig, immer die Quelle parat zu haben, so der Familienforscher. „Das Beste sind Fotos von Verwandten“, sagt Wittweg. Wer Fotos findet, sollte möglichst schnell die Namen der abgelichteten Personen herausfinden, rät sie. Dabei sind noch lebende Verwandte die beste Hilfe.

Im Internet kann man mittlerweile auch viele Informationen über Ahnen finden, aber längst nicht alles lässt sich von zu Hause aus recherchieren. „Das Teuerste am Hobby sind die Reise- und Übernachtungskosten“, sagt Kampfer. Die meisten Informationen stehen in örtlichen Kirchenbüchern und Stadtarchiven. „Ein Stadtarchiv ist nicht an einem Nachmittag durchsucht, ich habe schon viele Wochenenden in Archiven anderer Städte verbracht“, sagt Kampfer. Kirchenbücher und Archiveinträge sind häufig in den altertümlichen Schriften Kurrent und Sütterlin verfasst. „Die lernt man relativ schnell“, sagt Kampfer. Er hat auch schon Entnazifizierungsakten und Ahnenpässe seiner Vorfahren aus dem Nationalsozialismus gelesen. Zwar seien die Ahnenpässe nicht immer fehlerfrei, dennoch ließen sich auch aus den Daten der Nationalsozialisten einige Erkenntnisse ziehen.

Als sich Uwe Kampfer vor rund 30 Jahren seinen ersten Computer kaufte, hat er als erstes ein Genealogie Programm installiert. Seitdem hat seine Begeisterung für Familienforschung nicht nachgelassen. Auch Anja Wittweg freut sich nach 16 Jahren noch über jeden weiteren Fund. „Wir sind unsere eigenen Historiker“, sagt Uwe Kampfer.

 

Tipps für die Familienforschung

http://www.compgen.de

Das ist die Seite Vereins für Computergenealogie. Dort lassen sich zum Beispiel
Totenbücher, Adressbücher oder Verlustlisten aus dem Ersten Weltkrieg durchsuchen. „Auf der Seite verbringt man viel Zeit“, sagt Anja Wittweg.

http://www.bremer-passagierlisten.de

und

http://www.deutsche-auswanderer-datenbank.de

Für Familien, die Verwandte in den USA haben, empfehlen die Familienforscher die Passagierlisten der Auswandererschiffe.

http://www.denkmalprojekt.org

Hier sind einige Verlustlisten aus dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht.

Örtliche Vereine

Häufig lohne es sich auch, Vereine für Genealogie oder Ortsgeschichte vor Ort zu kontaktieren. Die haben manchmal schon Informationen aufbereitet.

Suchdienst Deutsches Rotes Kreuz

Hier können Krankenakten aus der Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg angefordert werden.

FamiliyTreeBuilder und FamilyTreMaker

Das sind die beiden Genealogie Programme, die am weitesten verbreitet sind. Sie gleichen die Stammbäume der Nutzer ab und informieren bei Überschneidungen. Uwe Kampfer sagt: „Hierbei muss unbedingt auf Plausibilität der Daten geachtet werden, denn im Internet wird gnadenlos abgeschrieben.“

http://www.braunschweiger-zeitung.de/region/article208510391/Den-Ahnen-auf-der-Spur.html

PDF: 16.10.28 Den Ahnen auf der Spur – Region – Braunschweiger Zeitung

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